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  PRAXIS FÜR SPRACHTHERAPIE
  HEIDI REISENHOFER

  Diplom - Sprachheilpädagogin

Monheim am Rhein

Langenfeld

    SPRACHSTÖRUNGEN BEI PARKINSON

 

    Was ist Parkinson ?

    Die Parkinsonsche Krankheit wurde im Volksmund noch Schüttelllähmung genannt und ist eine sehr oft auftretende neurologische Erkrankung, die im mittleren Lebensalter auftritt. In Deutschland sollen davon bis zu 250.000 Personen betroffen sein, wobei beide Geschlechter gleich häufig repräsentiert sind.
    Die drei Hauptsymptome des M. Parkinson, Erscheinungen der Muskelsteife (Rigor), des Zitterns (Trenor) und der Unbeweglichkeit (Akinese) sind nicht bei jedem Patienten und nicht in vergleichbarer Stärke anzutreffen.
    Als zentrales Symptom gilt allgemein die Bewegungsverarmung. Sie bezieht sich auf die gesamte quergestreifte Muskulatur, wodurch es zu einer Einschränkung der willkürlichen Bewegungen, de Mitbewegungen der Arme und der Ausdrucksbewegungen kommt.
    Die Mimik, die auch eine Muskelbewegung ist, ist ebenfalls eingeschränkt. Das Gesicht kann ausdrucksarm bis starr oder maskenhaft wirken, weshalb der Betroffene einen teilnahmslosen Eindruck hinterläßt und ihm ungerechtfertigter Weise leicht Desinteresse vorgeworfen wird.
    Die typische Körperhaltung des Parkinsonkranken ist gekennzeichnet durch den leicht nach vorn geneigten Rumpf, denn der Schwerpunkt des Körpers verlagert sich vorne und durch das Nachlassen oder Ausbleiben der Mitbewegungen der Arme wird das Gleichgewicht gestört.
    Der Kopf wird zwischen die Schultern gezogen und bei Körperbewegungen wird der Kopf mit bewegt
    Die Sprache wird monoton und unverständlich, da auch die Muskulatur im Kehlkopf und Mundbereich betroffen ist.
    Die Schrift wird immer kleiner und kann schließlich unleserlich werden.
    Zu den frühen Symptomen zählen degressive Verstimmungen, Empfindungsstörungen und diffuse Schmerzen.
    Diese Schmerzen, hauptsächlich im Rücken, im Schulterbereich und in den Oberschenkeln, entstehen meist durch die Verlagerung des Körperschwerpunkts und durch die Fehlhaltung des Körpers, sowie durch eine verminderte Beweglichkeit.
    In der Medizin wird eine Behandlung der Parkinsonschen Krankheit ohne Krankengymnastik als unvollständig betrachtet.

    Doch wo bleibt die Logopädie?

    In der Literatur finden sich sehr unterschiedliche Meinungen zur logopädischen Therapie bei Parkinson Syndrom.
    In den letzten 10 – 15 Jahren wird diese Therapieform im englischsprachigen Raum immer mehr wissenschaftlich belegt
    und befürwortet
    Das Störungsfeld der Dysarthrophonien bei Parkinson ist auch Inhalt der Hochschulausbildung der Diplom-Sprachheilpädagogen. Es bleibt zu hoffen, daß die logopädische Behandlung den gleichen Stellenwert wie
    die krankengymnastische Behandlung erreicht.

    Symptome der Parkinson Dysarthrophonie

    Als Dysarthrie wird eine Gruppe von Störungen der lautsprachlichen Kommunikationsfähigkeit bezeichnet, die die muskuläre Kontrolle der Sprechmechanismen betrifft.
    Sie werden heute Dysarthrophonien genannt und als ein Syndrom verstanden, daß die gesamte Aussprache betrifft und nebeneinander existierende Störungen von Respiration, Phonation und Artikulation umfaßt, sofern sie neurologischer Ursache sind.

    ATMUNG

    Ist die Funktion der Atmung betroffen, können folgende Symptome auftreten
     

  •  verlangsamte Respirationsbewegung
  • flache, hochfrequente Atmung
  • unregelmäßiger Atemzyklus
  • unangemessene Atempausen
  • verkürzte Sprechatmungsphasen
  • eingeschränkte Wiederholbarkeit willkürlicher Atembewegungen
  • gestörte Synchronisation der Sprachatmung
  • STIMME

    Typische Merkmale im Bereich der Stimme bei der Parkinson Dysarthrophonie sind:

  • rauhe, überhauchte oder zittrige Stimme
  • eingeschränkte Lautstärke
  • zum Satzende abnehmende Stimmintensität
  • verkürzte Tonhaltedauer
  • erhöhte Grundfrequenz
  • kleiner Tonumpfang
  • zunehmende Aphonie
  • Diese Beeinträchtigungen in der Phonation bedeuten für viele Patienten eine große Einschränkung, denn das Sprechen wird dadurch erheblich anstrengender.

    ARTIKULATION

    Auch die Artikulation wird anstrengend, folgende Symptome werden genannt:

  • eingeschränkte Verständlichkeit
  • nachlassende Präzision der Konsonantenartikulation
  • Verschlechterung der Artikulation zum Satzende hin
  • unscharfe Silbentrennung
  • Auslassung von Silben
  • erhöhter Grundtonus der orofazialen Muskulatur
  • reduzierte Bewegungsabläufe der orofazialen Strukturen
  • erschwerte Koordination der Artikulationsorgane
  • Die undeutliche Aussprache und die daraus resultierende herabgesetzte Verständlichkeit sind ein großes Kommunikationsproblem. Die Patienten ziehen sich häufig zurück und auch Angehörigen fällt es schwer, eine
    Unterhaltung aufrecht zu erhalten, da sie ständig nachfragen müßten und trotzdem häufig nichts verstehen konnten.
    Als weitere Symptome der Parkinson Dysarthrophonie ist die Verzögerung des Sprechbeginns und die oft unangemessenen Sprechpausen zu nennen
    Ebenso ist der Sprechrhythmus gestört, es ist ein erhöhtes oder verlangsamtes Sprechtempo zu beobachten, oder die Sprechweise erscheint hastig, häufig kann das Sprechtempo nicht variiert werden.
    Die Störung der Prosodie zeigt sich in der fehlenden Lautstärkeveränderung, fehlenden Tonhöhenveränderung und der reduzierten Pausendauer. Diese Veränderungen führen letztendlich zu der monoton wirkenden Sprechweise.
    Wie bei vielen Dysarthrien kommt es auch bei Parkinson Dysarthrophonie zu Schluckstörungen. Häufig wird über eine verschlechterte Kontrolle des Speichels, über die verzögerte Auslösung des eigentlichen
    Schluckvorgangs, Verschlucken und Nahrungsreste im Rachenraum berichtet. Die Symptome können bei jedem Patienten in ihrer Kombination und im Schweregrad sehr unterschiedlich sein.
    Aus dem bisherigen Wissen handelt es sich um eine massive Kommunikationsbehinderung.
    Was bewirkt sie? Eine Kommunikationsbehinderung wirkt sich bei allen Interaktionspartnern, bei allen Gesprächsteilnehmern aus
    Denn nicht nur der Sprachbehinderte hat Schwierigkeiten, sich eindeutig verständlich zu artikulieren, auch der sogenannte Normalsprechende steht vor dem Problem, nicht alles zu verstehen. Die Mimik, ein ganz wichtiges
    Instrumentarium, kann in unserem Fall nicht eingesetzt werden, aber ca. 60 % der Information entnehmen wir der Mimik und Gestik und nur 40 % der Information wird der Sprache entnommen Die kommunikative Gesamtsituation ist deutlich gefährdet, da sie zu Mißverständnissen Anlaß gibt und als zuweilen mühsam und verunsichernd empfunden wird. Oftmals, eher häufig, treten Gefühle der Hilflosigkeit und Verzweiflung,
    aber auch des Ärgers und der Ungeduld auf.

    Wie sieht nun die logopädische Behandlung aus?

    Der wichtigste Grundsatz bei uns Sprachheilpädagogen ist: Behandle die Person, nicht die Sprache, bzw. das Sprechen.
    Entsprechend werden in der Sprachtherapie nicht die betreffenden Störungsphänomene als isoliertes Symptom, sondern im Kontext ihrer Bedeutung für die betroffenen Menschen und ihrer sozialen Bezüge gesehen.
    Zu Beginn der Therapie ist in Bezug auf die Grunderkrankung für die sprachtherapeutische Behandlung eine realistische Einschätzung der Therapieziele von Seiten des Patienten und des Therapeuten unerläßlich, um Frustration und Enttäuschung zu vermeiden
    Das oberste Ziel der sprachtherapeutischen Behandlung ist eine bessere Verständlichkeit, bzw. Kommunikationsfähigkeit durch optimale Ausnutzung und ökonomischen Einsatz der vorhandenen Fähigkeiten. Zur Feststellung der Fähigkeiten wird eine Dysarthrie-Untersuchung durchgeführt, die verschiedenen Störungsbereiche abdeckt.

    Der Test besteht aus 10 Teilen und überprüft

    1. REFLEXE

  • schlucken/Flüssigkeit + feste Speisen in welcher Zeit
  • Salvation (Speichelfluß)
  • 2. RESPIRATION

  • Atmung in Ruhe
  • Atmung beim Sprechen
  • 3. LIPPENBEWEGUNG

  • Lippen in Ruhe
  • Breitziehen der Lippe
  • Lippenschluß
  • alternierende Bewegungen (10 x u-i)
  • beim Sprechen
  • 4. KIEFER

  • in Ruhe
  • beim Sprechen
  • 5. GAUMENSEGEL

  • Funktion (Beweglichkeit)
  • Gaumensegelbewegung beim Sprechen (Nasalität)
  • 6. STIMME

  • Tonhaltedauer
  • Tonhöhendifferenzierung
  • Stimmstärke
  • Stimme beim Sprechen
  • 7. ZUNGE

  • in Ruhe
  • verschiedene Bewegungsrichtungen
  • 8. VERSTÄNDLICHKEIT

  • Wörter anhand Kartenmaterial
  • Sätze
  • Spontansprache
  • 9. BEEINFLUSSENDE FAKTOREN

  • Gehör
  • Sehvermögen
  • Zähne
  • Sprache (z.B. Wortfindungsstörungen, Gedächtnisleistungen)
  • psychische Verfassung
  • Körperhaltung
  • 10. ANDERE FAKTOREN

  • Sprechgeschwindigkeit
  • Kinästhetische Wahrnehmung (orale Stereognose/Mundraumwahrnehmung)
  •  

    Anhand der Testergebnisse, der eigenen Beobachtungen und der individuellen Bedürfnisse des Patienten wird ein grober Therapieplan erstellt, der sich immer wieder an den Bedürfnissen und den situativen Fähigkeiten des Patienten orientiert.

     Therapieinhalte sind letztlich im wesentlichen:

  • Übungen zur Respiration, Phonation und Prosodie, entspannte Atmung, Koordination von Sprache und Atmung, Tonhaltedauer- und Tonhöhenveränderung
  • vorbereitende Übungen zur Förderung der Durchblutung, zur Tonregulierung und zur Stimulierung der mimischen Muskulatur, der Lippen- und Wangenmuskulatur und der Kau-Schluckmuskulatur
  • Übungen zur Artikulation über die Laut-Wort-Satz- und Textebene zur freien Kommunikation.
  • Hier finden Sie links zum Thema ‘Parkinson’