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APHASIE IST EINE SPRACHSTÖRUNG UND KEINE DENKSTÖRUNG !
Bei Aphasikern ist nur die Fähigkeit, eigene Gedanken mündlich und schriftlich auszudrücken oder gehörte und gelesene Mitteilungen vollständig und in normaler Geschwindigkeit zu verstehen, gestört. Aphasiker können also weiterhin logisch denken. Allerdings wird durch die Störung des Sprechens und des Verstehens für den Aphasiker und seine Angehörigen der alltägliche sprachliche Austausch massiv erschwert..
Zu den Ursachen, Arten und zur Therapie von Aphasie finden Sie im Internet zahlreiche nützliche Informationen.
Wichtige Anlaufstellen:
Bundesverband der Aphasiker www.aphasiker.de Schlaganfall-Selbsthilfe www.schlaganfall-info.de/aphasie1.htm. Lohnenswerte Internetseite eines in einer Klinik tätigen Sprachtherapeuten www.rokitta-online.de
Hinweise zum Umgang mit Aphasikern
- Behandeln Sie den Aphasiker wie jeden anderen Erwachsenen, er ist weder verrückt noch unzurechnungsfähig.
- Halten Sie die normale Gesprächssituation mit dem Aphasiker ein (Begrüßung, Wohlbefinden, Wünsche, Essen, Wetter, etc.),
auch wenn Sie nicht immer eine (adäquate) Antwort erhalten.
- Achten Sie darauf, dass nie mehrere Personen zur gleichen Zeit sprechen.
- Behandeln Sie den Aphasiker gleichberechtigt, d.h. ziehen Sie ihn in Entscheidungen mit zu Rate, berücksichtigen Sie
seine Wünsche, sprechen Sie nie in seiner Gegenwart über ihn. Man sollte nicht anstelle des Aphasikers sprechen; er sollte immer genügend Zeit und Gelegenheit zur Antwort bekommen.
- Fordern Sie den Aphasiker nie auf, therapeutische Fortschritte vorzuführen, möchte er es gern tun, sollte man es unterstützen.
- Gestehen Sie dem Patienten Fehler zu, d.h. verbessern Sie ihn nicht beim Sprechen (Artikulation Grammatik).
- Die sprachlichen Fähigkeiten des Aphasikers schwanken; einmalige Äußerungen können nicht als jederzeit abrufbar
angesehen werden.
Hinweise für Gespräche mit Aphasikern
- Sprechen Sie langsam und deutlich mit Blickkontakt (normale Lautstärke).
- Benutzen Sie verstärkt Mimik, Gestik und Tonfall.
- .Benutzen Sie kurze und einfache Sätze (kein Ausländerdeutsch).
- Sprechen Sie situationsbezogen ohne sprunghaft das Thema zu wechseln.
- Ständiges Wiederholen von Wörtern und Sätzen führt nicht zu einem besseren Verständnis beim Aphasiker. Bei Patienten mit Wortfindungs-störungen bieten sich Entscheidungsfragen (ja/nein) an.
Ziele der Aphasietherapie
Generelles Ziel ist die Verbesserung der sprachlichen Kommunikation, des sozialen Handelns, der Autonomie, der Selbständigkeit, also der Verbesserung der Lebensqualität.
- Weitere Ziele sind der Wiedererwerb der sprachlichen Fähigkeiten und die Hinzunahme von anderen kommunikativen Fähigkeiten wie Gestik und Mimik. Bei Schluckstörungen wird eine Eß- und Trinktherapie durchgeführt.
- Aphasiker müssen nicht wie ein Kind die Sprachentwicklung durchlaufen und die Sprache neu lernen, vielmehr handelt es sich um eine allmähliche Reorganisation des gestörten Sprachsystems.
- Im Gegensatz zum Kind ist beim Aphasiker die Sprachentwicklung und Hirnreifung abgeschlossen. Die allgemeine Denkfähigkeit, das Weltwissen und Sprachwissen stehen im unterschiedlichen Maß zur Verfügung
Beginn und Dauer der sprachtherapeutischen Behandlung
- Erleiden Patienten einen Schlaganfall, treten häufig sofort Sprachstörungen unterschiedlicher Art auf. Manchmal werden Sprachstörungen erst nach der medizinischen Versorgung bemerkt, d.h. die medizinische Versorgung steht im Vordergrund.
Da der Patient in der Regel viel schläft und Ruhe benötigt, fällt seine Wortkargheit erst nach einigen Tagen auf.
- Sobald der Verdacht auf eine Aphasie besteht, sollte der Sprachtherapeut hinzugezogen werden, um dem Patienten das Gefühl der Sicherheit, des „gut aufgehoben Seins“ zu geben. Da ist jemand, der mich nicht nur medizinisch versorgt, sondern für mich als Sprachrohr eintritt und meine Situation sprachlich und gefühlsmäßig erfassen und beschreiben kann und nun sofort, dem Zustand des Patienten entsprechend, mit der sprachlichen Aktivierung beginnen kann.
- Die nötigen Funktionen zur Sprachbildung werden verbessert.
- Den Angehörigen wird beratend zur Seite gestanden.
- Die Behandlungsdauer ist sehr individuell und richtet sich nach dem Grad der Störung, bzw. nach dem Therapieerfolg.
- Manchmal reichen einige Wochen bis der Patient sagt: „Ich schaffe es alleine“, manchmal dauert die Therapie Monate
oder auch Jahre.
Literatur
- Bundesministerium der Gesundheit: Praktischer Ratgeber Schlaganfall (53108 Bonn)
- Arztservice: Sprachübungen für Aphasiker, Karlsruhe, 1993, Dr. Willmar Schwabe
- Patienten Service: Sprachübungen für Aphasiker, Karlsruhe, 1993, Dr. Willmar Schwabe
- Hilfe für Behinderte, Band 240: Aphasie, Bundesarbeitsgemeinschaft für Behinderte, Kirchfeldstr. 149, 4000 Düsseldorf
- Taylor, Martha L.: Mit Aphasikern leben, München/Basel 1987
- Baursch, Eugen: Die Blitze des Zeus, Overath, 1992
- Kroker, Ingo: Sprachverlust nach Schlaganfall, Heidelberg 1986
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